2007

neun7, 6. Dezember 2007

Künstlerporträt

 

Die Dinge, die zählen
Davon handelt das neue Album von Markus Rill. CD-Release ist am 8. Dezember in Würzburg

Ernest Hemingway ist der Meister des Eisberg-Prinzips: Er erzählt nur den Gipfel vom Geschehen seiner Geschichten. Den restlichen Berg in seiner Tiefe zu erahnen, überlässt er dem Leser. Ähnlich ist das bei Markus Rill, 37, und seiner Musik. Vielleicht auch deswegen, weil er sich gern von Hemingway inspirieren lässt.

Jetzt stellt der Sänger und Songschreiber sein siebtes Album vor, das am 18. Januar offiziell erscheint. Es trägt den Titel "The Things That Count" - die Dinge, die zählen - und beschäftigt sich mit existenziellen Fragen nach dem Leben und Lieben, nach Verantworten und Verändern. Wie Satelliten um die Erde kreisen seine Songs um die existenziellste aller Fragen: Woher kommen wir und warum sind wir da?

Eine einzige, umfassende Anwort darauf hat Markus Rill für sich noch nicht gefunden, wie er selbst sagt. Und doch gibt er auf seiner neuen Platte nach dem Eisberg-Prinzip manches davon preis, was ihn das Leben gelehrt hat. Demut etwa, das verrät er im Titelsong. Weil er gelernt hat, "dass man schnell auf den Hosenboden fallen kann". Auch Einsamkeit oft, Melancholie manchmal, nie aber überschwenglichen Optimismus. Sagt's und singt: "My favorite color is the blues". Und er singt auch von seinem andauernden Kampf mit Dämonen - und meint damit nicht zuletzt "Verhaltensweisen von mir, die nicht gut sind".

Das passt irgendwie ins Bild vom Eisberg. Markus Rill wirkt nach außen hin oft recht cool. "Es gibt sicher auch mal Stuationen, in denen man sich überheblich oder unfreundlich verhält", gesteht er. "Aber man schreibt natürlich nicht in einem Song: Ich bin ein arroganter Arsch." Das würde den Eisberg vermutlich ganz schnell zum Schmelzen bringen. Was schade wätre, denn unter seiner Oberfläche lässt sich große Tiefe erahnen.

So erzählt "The Things That Count" als Nachfolger von "The Price Of Sin" (2006) nicht nur, aber auch die Geschichte eines gefallenen Mannes, der wieder aufsteht, um manchen Fehler künftig zu vermeiden. Konkret: Die Geschichte eines Mannes, der eine Amerikanerin heiraten und als Musiker zu ihr in die USA auswandern will. Bis sie sich wenige Zeit vor seiner Abreise trennen.

Auch dieses Thema hat Rill erneut musikalisch verarbeitet in "What Might've Been", einem der schönsten, weil berührendsten Stücke des Albums. "Die besten Songs entstehen dann, wenn man da hingeht, wo es am meisten wehtut", sagt er. "Sie sind wie ein Türöffner für Gefühle, die man dann im Alltag nicht immer zeigen muss. Und sie sind authentisch. Aber nicht so sehr, dass das Entblößen eine reine Zurschauatellung wird. Eher, dass sich die Leute darin wiederfinden können."

Seinen Traum von einem Leben als Musiker in den USA hat er nicht gänzlich verworfen. Erst im November war er im Auftrag seines Songwriter-Verlages WarnerChappell wieder für zwei Wochen in Nashville, wo er seine letzten drei Platten aufgenommen hat. Dort hat er auch Kontakte zu renommierten Künstlern wie Phil Madeira geknüpft. Zwei kleinere Gigs gespielt und versucht, seinen Fuß etwas weiter in die Tür zur amerikanischen Musikwelt zu bekommen. Sein Geld aber verdient er hauptberuflich noch immer als Journalist. Würde er sein neues Album als solcher rezensieren, würde er "eine gewisse Weiterentwicklung" erkennen. Musikalisch, weil seine Mischung aus Rock, Folk, Country und Blues mit Mundharmonika, akustischer und E-Gitarre mehr als je zuvor "atmosphärisch" klingt. Und eben auch persönlich.

Zu hören ist das durchweg empfehlenswerte Ergebnis erstmals am Samstag, 8. Dezember, 20 Uhr im Bronnbach Künstlerkeller in Würzburg. Ende Januar/Anfang Februar geht er mit seinen Partnern Andi Obieglo und Robert Oberbeck auch auf Tour. Zu kaufen ist das Album schon jetzt über die Homepage www.markusrill.net und Videos gibt's unter www.myspace.com/markusrill