8 von 10 Punkten
Wenn der einzige deutsche Künstler (Markus Rill) des Abstatter Roots
Rock-Labels Blue Rose mit einem neuen Album in den Startlöchern steht,
freut sich die Americana-Gemeinde nicht nur hierzulande. "The Things
That Count" ist Rills siebtes Studioalbum und wer nichts über ihn weiß
und nur die neue Platte hört, wird anfängliche Verortungsschwierigkeiten
haben. Frankfurt (Rills Geburtsort), Abstatt, Nashville oder Austin?
Stimmlich und musikalisch passt alles in die beiden letztgenannten
Gegenden, nur der Name Markus Rill lässt auf die eigentliche Herkunft des
Musikers schließen.
Den Nachfolger des eher akustisch gehaltenen 2006er Albums "The Price Of
Sin" beschreibt Rill selbst wie folgt: "Inhaltlich ging's auf ,The Price
Of Sin' darum, wie ich eine große, wichtige Sache aus eigener Schuld gegen
die Wand gefahren habe. Nach so einer Sache besinnt man sich auf die
Dinge, die zählen - The Things That Count."
Um diese Sachen aufnahmetechnisch zu konservieren reiste Markus Rill nach Nashville, Tennessee und nahm mit Produzent Richard McLaurin zwölf Songs auf, die die
gesamte Bandbreite des Singer/Songwriters abdecken und teilweise sogarüber den Tellerrand hinausschauen. So gehörten z.B. Drum- und
Gitarrenloops vor den Sessions, laut Rill, nicht zu seinem Repertoire.
Mit Dave Jacques (Bass), Bryan Owings (Schlagzeug) und Joe McMahan (u.a.
E- und Slide-Gitarre) im Rücken gelingt es dem Songschreiber auf "The
Things That Count" ein Dutzend Stücke zu versammeln, die in sich ein sehr
gelungenes Spektrum von Rills Stilvielfalt abbilden. Americana-Rock lugt
bei fast jeder Nummer um die Ecke und auch Südstaaten-Blues (Gotta Keep
My Hands Off), Country (Dimestore Paperback Memory),
Singer/Songwriter-Ästhetik (Just Like It Never Did Exist) und Roots-Rock
(Scene Of The Crime) sind auf Markus Rills neuer Platte mit am Start.
Aber gerade die Songs, die von allem ein bisschen in sich vereinen, sind
dabei die mit Abstand stärksten - die positivsten Beispiele dafür sind vor
allem der bärenstarke Opener "Straighter Road" und das atmosphärische und
mit Pedal-Steel (gespielt von Produzent McLaurin) daherkommende "I'll Wait
For You".
Americana, Nashville und ein Deutscher namens Markus Rill. Eckdaten die
sich für den Ersthörer möglicherweise relativ exotisch anhören. Man wird
schnell merken, dass diese Mischung nicht genuiner hätte sein können. Nach
einem "The Things That Count"-Durchlauf ist's von Frankfurt bis Nashville
höchstens noch halb so weit wie vorher.
Sascha Knapek
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