Der Franke mit dem erdigen Roots-Rock
Der Würzburger Musiker Markus Rill hat mit seinen Songs nicht nur in den USA Erfolg
Roots-Rock aus Franken: Der Würzburger Markus Rill spielt morgen (21. Februar) im K4 amerikanische Musik.
Der Name ist verräterisch: Markus Rill. So heißt doch kein Amerikaner. Aber dann diese Musik. Erdiger Roots-Rock mit vielen Country- und Blues-Einsprengseln. Americana heißt das, oder Alternative Country. Zumindest in den Staaten. Da ist diese Musik eine feste Größe. Markus Rill aber ist Deutscher, geboren in Frankfurt, aufgewachsen in Aschaffenburg und jetzt in Würzburg zu Hause. Seiner Musik hört man das nicht an.
Schon früh interessierte sich Rill für englische Sprache und Musik und ging folgerichtig für ein Studienjahr nach Austin, in die Live-Musik-Metropole in Texas und studierte vor allem die Musikszene. Dort trat der heute 37-Jährige erstmals alleine auf, nachdem er in Deutschland zuvor in mehreren Bands gespielt hatte. Rill holte sich die Sicherheit, als Deutscher englische Texte schreiben zu können, die authentisch klingen. Einige Zuhörer hätten nicht einmal gemerkt, dass er kein Ami sei, sagt er heute stolz.
Der Songschreiber aus Franken spielte in Austin in Live-Musik-Kneipen, die «offene Mikrofone» anbieten. Hier kann jeder seine Songs vortragen, «aber die Qualität ist sehr hoch», sagt Rill. Die seiner Lieder überzeugte auch das Blue Rose Label, das sonst fast nur Amerikaner beschäftigt.
Jetzt hat Rill sein drittes Album in Nashville aufgenommen. «The Things That Count». Anders als beim Vorgänger «The Price Of Sin» hat Rill wieder die elektrische Gitarre herausgeholt. Dennoch überwiegen wieder die leiseren Töne. In seinen Liedern erzählt Rill kleine tiefgehende Geschichten. Kein Wunder, dass er in Kanada einen Komponistenwettbewerb für erzählende Songs gewonnen hat. Bei der «International Songwriting Competition» in den USA kam er unter 15 000 Titeln bereits zwei Mal in die Endausscheidung mit zwölf Künstlern. Vielleicht verhelfen ihm diese Referenzen künftig auch zu einem Plattenvertrag in den Staaten.
Derzeit muss Rill quasi nebenbei in Vollzeit als Journalist bei einer Tageszeitung arbeiten. «Natürlich ist es mein Traum, von der Musik zu leben», sagt er mit klarer Stimme. Wenn er singt, wird sie rauchig, erinnert mal an Steve Earle, mal an Mark Knopfler. Nur der fehlende Slang verrät dann noch den Europäer.
Die Themen der Songs hingegen könnte auch ein Amerikaner besingen. Die Suche nach dem Sinn des Lebens oder ein Verbrechen, das die Liebe einer Frau sichern sollte. Nur wenn Rill über die Wiener Ballerina Sarah Stein singt, wird die Herkunft wieder deutlich. Die Jüdin floh in den 30er Jahren aus Europa. Ihr Ziel: Natürlich die Staaten.
Aktuelle CD: «The Things That Count» (Blue Rose), www.markusrill.net
Helge Buttkereit
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